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2. Trofeo Baleares Clásico del Automóvil (06.03.-10.03.2002) |
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Als wir letztes Jahr im März nach Mallorca flogen um kurzentschlossen 4 Tage Sonne zu Tanken, gerieten wir zufällig in eine Veranstaltung, die uns so sehr fesselte, dass wir die folgenden Tage nur noch auf irgendwelchen Rennstrecken verbrachten:
Die 1. Trofeo Baleares Clásico del Automóvil!
Es war ein Versuch, die lange Winterzeit in Deutschland zu verkürzen, indem man kurzerhand mehr als 150 historische Renn- und Sportwagen aus dem Winterlager nach Mallorca verfrachtete, um dort bei strahlendem Sonneschein auf Soll- oder Bestzeit durch die mallorquinische Landschaft zu brausen. |
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Schon damals stand der Entschluss fest:
Im nächsten Jahr wird das eine geplante Reise, damit wir auch nichts verpassen!
Jetzt galt es also, die Reise zu planen. Erste Infos zum noch mächtigeren Starterfeld gab es auf der Homepage der Trofeo Baleares (www.trofeo-baleares.de). Allerdings vermisste ich hier genauere Informationen zum Streckenverlauf und somit musste die Detailplanung vor Ort verlegt werden. Es war aber schon ersichtlich, dass sich dieses Mal das Rennen über die ganze Insel erstrecken würde. 700 km waren für die Teilnehmer zu absolvieren.
Wir hatten es endlich geschafft hatten und einen Flug am Mittwoch Nachmittag zu erträglichem Preis bekommen. Es ist schon etwas seltsam, dass an solchen Tagen die Flugpreise auf einmal doppelt so teuer sind, als einen Tag früher oder später.
In Palma angekommen wehte uns ein kräftiger Nordwind um die Nase und die Wetteraussichten für die nächsten zwei Tage erinnerten uns an die Heimat. |
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Wo war nur der wolkenlose Himmel des letzten Jahres geblieben und die Sonne, die die Schmuckstücke aus vergangenen Zeiten vor malerischer Kulisse in neuem Glanz erstrahlen ließ?
"Hola!", so die freundliche Begrüßung der Dame von Roig, unserer Autovermietung, die uns gleich die Schlüssel des Fiat Punto in die Hand drückte. Wenn sie wüsste, dass dieser Wagen nach den 5 Tagen genau so aussehen würde, als hätte er aktiv an der Rallye teilgenommen.
Auf dem Weg nach Cala d´ Or machen wir kurz Halt in Santani, wo wir noch schnell im kleinen Weinladen in der Nähe der Kirche ein paar Flaschen Rotwein aus dem Fass abfüllen lassen. |
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Zu diesem Zeitpunkt konnten wir noch nicht ahnen, dass wir an den folgenden Abenden einfach zu kaputt waren, um den Wein richtig genießen zu können.
Am nächsten Morgen ging es dann endlich los. Die Kinder waren schon früh wach und wollten unbedingt ihre geliebten Oldtimer sehen. Nach dem Öffnen der Läden dann die grausame Wahrheit: Regen! Auch der Wind hatte nicht nachgelassen und es war immer noch saukalt.
Die erste Sonderprüfung war bei Felanitx, die Serpentinen hinauf zum Kloster San Salvador. |
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Nach Felanitx ist es nur einen Katzensprung und wir schaffen es, zehn Minuten vor Schließung der Straße noch hoch zu fahren. Wir kennen die schmale kurvige Straße gut und wissen, was die Teilnehmer hier erwartet. Im oberen Streckenabschnitt gibt es eine kleine Kapelle. Sie sollte uns vor der schlechten Witterung schützen. Dort angekommen treffen wir noch ein paar andere Fans, die die gleiche Idee hatten. Ein Glühweinstand oder heißer Sangria wären jetzt nicht schlecht gewesen. Wir lernen der Bruder von Bernhard Pfältzer (Startnummer 30) kennen. Er wohnte früher wie Bernhard in Hanau, nur 7 Kilometer von uns entfernt. Wie klein die Welt doch ist. |
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Endlich geht es los. Die ersten Boliden kommen die enge Straße herauf. Vorsicht ist angebracht. Die Straße ist schmierig. Bernhard bekommt es mit seinem 911er Porsche zu spüren. Das Heck driftet in der Kurve mächtig Richtung Fels. Einen Teil der Fahrzeuge kennen wir ja schon vom letzten Jahr, doch wurden dieses Jahr noch ein paar Raritäten mehr aufgefahren. Uns fallen gleich die 300er SLS Rennwagen auf, die es hier schon mächtig fliegen lassen. Leider musste ich am Abend feststellen, dass die Verschlusszeiten meiner digitalen Kamera zu hoch waren. So musste ich mir in den nächsten Tagen ein paar langsamere Passagen aussuchen, um scharfe Bilder zu bekommen. |
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Trotz wetterfestem Unterstand sind wir ganz schön durchgefroren. Nach San Salvador gibt es nur eine Straße und so nutzen wir die Rückführung der ersten Startgruppe, um zur nächsten WP nach Alqueria Blanca zu kommen. Leider gibt es hier für Zuschauer keine Möglichkeit, zur Strecke zu kommen. Wir umfahren die Strecke und warten am Ziel. Hier müssen wir erfahren, dass sich gerade einer der 300er SLS auf der tückischen Straße überschlagen hat. Es gibt eine Verzögerung und so beschließen wir in Ses Salines Rast zu machen. Wir essen in einer Kneipe, in der vorwiegend Handwerker sitzen. Das ist die beste Möglichkeit hier auf der Insel gut und günstig zu essen. |
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Ses Salines ist eine kleine Gemeinde im Südosten der Insel, weit ab vom Touristentrubel. Nicht weit von hier liegt einer der schönsten Strände, Es Trenc. Doch heute sind die vielen Zuschauer wegen der Trofeo hier. Die Straßen sind geschmückt und der ganze Ort ist auf den Beinen. Endlich hört es auf zu Regnen. Mir tun die Teams in ihren offenen Roadstern leid. Wie müssen die erst frieren? Hier bekommen wir nun den ersten Eindruck vom gesamten Starterfeld. Es ist überwältigend. Hier gibt es Motorsport vom Feinsten zum Anfassen. |
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Die nächste Sonderprüfung schaffen wir nicht mehr, so machen wir uns auf den Weg nach Llubi, einmal quer über die Insel. Auf dem Weg dort hin begegnen wir wieder meinen ganz besonderen Freunden: Radfahrerpulks in schrillen Klamotten, die in Dreierreihe unbeeindruckt über die schmalen Landstraßen fahren! Ein Überholen für die vor uns fahrenden LKWs ist zu gefährlich. So wird es eine unendlich lange Fahrt und wir sehen nur noch die letzten Fahrzeuge. Der Heimweg führt uns noch einmal quer über die Insel und so fühlen wir uns am Abend, als seien wir das Rennen selbst mitgefahren. |
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Am nächsten Morgen sieht das Wetter etwas besser aus. Kein Regen mehr, nur noch der kalte Wind. Es schaut aber ab und zu schon einmal die Sonne heraus. Um 8:00 Uhr kommt Kurt, der Vorsitzende des Automobilclub Kinzigtal und Waltraud. Sie haben die erste Maschine um 5:00 Uhr genommen und werden gleich von uns mit dem Programmheft versorgt. Unser Tagesplan sieht vor, jede zweite Sonderprüfung zu besuchen. Stress ist vorprogrammiert. Wir machen uns gleich auf nach Porto Polenca, wo uns im letzen Jahr der Promenade-Sprint begeistert hat. Wir stellen fest, dass sich die auf Rallye optimierten Fahrzeuge an die Spitze der Competition Class gesetzt haben. Das von uns favorisierte Team Pfältzer/ Burckhardt hat sich bereits bis auf Platz 3 vorgekämpft. Wir sichern uns gleich einen Platz im Kurvenausgang der ersten Kurve, eines Kreisels, der im Urzeigersinn umfahren wird. Hier mache ich zum ersten Mal auf der Strecke Bekanntschaft mit dem Ferrari 365 des späteren Gesamtsiegers John Bosch. Aus dem Fehler des ersten Tages gelernt, suchte ich mir die Stelle, wo die Fahrzeuge einen kurzen Augenblick sehr langsam sind. |
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Als John Bosch dann jedoch aus dieser Kurve heraus beschleunigt, bekomme ich die offenen seitlichen Flammrohre zu spüren. Der Ferrari rast im Abstand von einem Meter an mir vorbei und ich denke, ich bin für immer taub. Ich wundere mich, wie dieses Fahrzeug überhaupt eine Straßenzulassung für das Rennen bekommen hat. Mich überrascht es immer wieder, mit welchen simplen Hilfsmitteln man hier auf Mallorca Rennstrecken bauen kann: Eine Strandpromenade, ein paar Strohballen als Schikane und ein paar Meter Absperrband, das man zwischendurch aber auch mal einsparen kann. Fertig! |
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Wir nehmen zum Aufwärmen noch schnell einen Kaffee zu uns und machen uns dann gleich auf den Weg nach Orient zur nächsten Bergetappe.
Die Sonne kommt immer mehr heraus, es ist aber immer noch sehr kalt. Wir parken im malerischen Bergdorf Orient und laufen zur nächsten Etappe. Es gibt wenig Möglichkeiten für Zuschauer, dennoch finden wir eine kleine Brücke, auf der wir bleiben können. Es ist schon spät geworden und wir fragen uns, wie so mancher schlecht beleuchtete Oldtimer jetzt nach Palma kommt. Ein paar Autos kann man ja schon übersehen, so klein sind diese. |
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Nach Durchfahrt des gesamten Feldes ist es uns kalt und wir machen uns auf den Heimweg. Wir fahren die Bergetappe und wundern uns, wie die größeren Autos hier um die engen Kurven gekommen sind. An einer demolierten Leitplanke entdecken wir orange Farbe. Wie wir später erfahren, war dies das Aus für den einzigen 914er Porsche im Feld. Ich unterhielt mich später mit Gottfried Burkhardt, dem Beifahrer von Berhard Pfältzer über das Roadbook. Es ist schon sehr schwierig die Tücken wie Kuppen oder hängende Kurven der Etappen auf der Karte zu erkennen. Eine vorherige Besichtigung der Sonderprüfungen ist nicht möglich. |
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Ich weiß allerdings nicht was schwieriger ist: Diese Etappen auf Bestzeit zu fahren, oder, wie bei der Regularity Class, in einer vorgegebenen Geschwindigkeit. Die Beifahrer beider Kategorien entscheiden hier oft über Sieg oder Niederlage. Abgekämpft kommen wir zuhause an. Heute bleibt noch die Muße für einen mallorquinischen Rotwein. Langsam fange ich an Kurt zu bearbeiten, wann wir unser Rallyeauto gegen einen Oldtimer eintauschen. Viel Überredungskunst würde ich an diesem Abend nicht brauchen. Noch zwei Hierbas (spanischer Kräuterlikör) für jeden, dann geht es ins Bett. |
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Am nächsten Morgen winkt wieder ein ganz besonderes Highlight: Rundstreckenrennen in Lluc Major! Für 5€ Eintritt pro Person, Parkplatz inbegriffen, haben wir auf der Haupttribüne die Sicht auf 90% der Strecke. Der Rundkurs ist variabel zu gestalten. Für dieses Rennen wurde eine Rundenlänge von über 3km gewählt. Den meisten Mallorca-Besuchern fällt die permanente Rundstrecke an der Hauptstraße von Palma nach Lluc Major, einer der Hauptadern in Richtung Osten, nicht auf. Sie wirkt die meiste Zeit wie eine Bauruine oder eine Kartbahn. Heute ist das anders. Menschenmassen drängen sich auf das Gelände, der Verkehr kommt ins Stocken. |
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Einige der einst glänzend aufpolierten Prachtstücke weisen schon extreme Verformungen auf, andere fehlen ganz. Das Feld hat sich gelichtet. Man überlegt so im Geheimen, wie viele Millionen Euro nun in der nächsten Startaufstellung stehen und demnächst einem ähnlichen Schicksal ausgesetzt sind. Na ja, bei der Formel 1 fragt ja auch niemand, was ein Rennwochenende kostet. Es ist der Tag der Rundstreckenwagen. In der Competition Class dominiert der Ferrari 365. Einsam fährt er dem Feld davon um seine zuvor schlechteren Bergetappenzeiten wieder gut zu machen. Zum Schluss er er fast das gesamte Feld einmal überrundet, wobei ihm manchmal auch seine rücksichtslose Fahrweise behilflich war. |
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Die Regularity-Fahrer konnten sich hier Ihre Zeit selbst vorgeben: eine einmal gefahrene Zeit musste in den folgenden drei Runden möglichst genau wiederholt werden. So kam es dann auch manchmal zu einem regelrechten Stau von der Ziellinie. Endlich kam heute auch die Sonne mal wieder zu Vorschein, sogar für ein paar Stunden. Das motivierte Zuschauer und Fahrer.
Am nächsten Morgen hieß es wieder früh aufstehen. Wieder mussten wir einmal quer über die Insel fahren. Wir packen unser Gepäck schon in die Autos, denn am Abend geht es zurück nach Frankfurt. |
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Wir wollen um 10:00 Uhr am Col de Soller sein. Es wird aber fünf Minuten später, somit ist der Pass schon zu. Die Guardia Civil lässt nicht mit sich handeln, so fahren wir durch den Tunnel.
Auf der anderen Seite angekommen gibt es auch keinen Weg mehr nach oben. Wir parken unsere Puntos und laufen ein Stück den Pass hinauf. Schon kurz hinter dem Start kommt eine interessante Kurvenkombination 180 Grad links, gleich darauf 180 Grad rechts. Auch mit Sonne war in diesem Tal innerhalb einer Stunde zu rechnen. |
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John Bosch war immer noch vorne und konnte seine Führung mit ins Ziel nehmen. Die Rallye- und Bergspezialisten kamen wieder weiter nach vorne, jedoch sind die Zeiten auf den engen Bergstraßen nicht so einfach wieder gut zu machen, wie auf der Rundstrecke. Es sei denn es fällt jemand aus. Und auch das geschah an diesem Tag wieder reihenweise. Am Ende sahen gerade 31 Competition-Teams das Ziel.
In der Regularity-Klasse siegten Klaus-Peter Thaler und Jutta Thaler. Der ehemalige Rad-Weltmeister steuerte den Ex-Rallye-Ascona von Walter Röhrl und Jochen Berger. |
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Jochen Berger hat auch dieses Jahr wieder zusammen mit Helmut Kalenborn, dem mehrfachen Balearen-Bergmeister, die Strecke ausgearbeitet. Ihnen gilt ein besonderes Lob für die gelungene Veranstaltung.
Jetzt bleibt nur noch der Traum, diese Veranstaltung selbst einmal als Teilnehmer zu bestreiten. Irgendwann werde ich mein jetziges Renngefährt gegen eines eintauschen, das ein paar Jahrzehnte älter ist. Vielleicht kann ich ja dann einmal aus der Sicht des Fahrers berichten. |
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Zum Autor:
Bernd Schneider, geboren 1964, betreibt seit 1985 Motorsport und ist seither über 500 Slalom- Berg- Rundstreckenrennen und Rallyes gefahren. Als Sportleiter des AC Kinzigtal ist er verantwortlich für die Durchführung der Motorsport-Veranstaltungen.
Weitere Bilder der Trofeo Baleares finden Sie in unserem Fotoalbum unter der Rubrik Oldtimer.
Wer Interesse an einer höheren Auflösung eines Bildes hat, kann es per E-Mail anfordern. Bitte hierzu die Bildnummer (Fotoalbum) und den Ort der Aufnahme angeben. Über Kommentare oder Anregungen zu unserer Homepage sind wir dankbar. |
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